Vom Leben am Rande der roten Scheibe

Erschienen am 10.08.2015

„Es ist wichtig zu wissen, wie unfrei die Leute hier gelebt haben, um eigentlich
erst einschätzen zu können, wie wichtig die Freiheit für jemanden ist.“

Kriemhild Frieda Marie Mader

Sie lebte in einem Käfig innerhalb des Gefängnisses der „DDR“.

„…Aus dem Osten kam sie, und der war für Ute eine rote Scheibe. Überstülpt von einem Himmelszelt voller revolutionär-sozialistischen Gedöns. Miefig war er, der Osten. Hätte sie irgendjemand wegen ihrer Herkunft bedauert, dann hätte der schon was zu hören gekriegt. Aber was sie wirklich schlimm fand, war die Tatsache, dass sie vom Rande dieser Scheibe stammte. Der verhinderte ja nicht nur den Absturz von ihr. Der grenzte Ute auch vom Rest der Scheibe aus…“

Ein frischer authentischer Blick auf weithin unbekannte Grenzerfahrungen in der DDR: das Leben im Sperrgebiet – ein Gefängnis innerhalb des Gefängnisses – und auf die in mehreren „Säuberungsaktionen“ vom Unrechtsstaat verordneten Zwangsumsiedlungen. Kriemhild Frieda Marie Mader schildert den privaten, schwierigen wie gleichzeitig glücklich-behüteten Alltag in Kontrast zu den banal-bürokratischen Vergewaltigungen der eigenen Bürger im Sperrgebiet durch den „friedliebenden Arbeiter- und Bauernstaat“.
„Vom Leben am Rand der roten Scheibe“ bietet Geschichte(n) zum Anfassen. Wir erfahren Erstaunliches über die Wirkung staatlicher Willkür auf die innere Befindlichkeit der „ganz normalen“ Menschen im Osten Deutschlands, ihre persönliche Zerrissenheit und die spannenden wie verunsichernden Herausforderungen für den Einzelnen in der Nachwendezeit. Dabei gibt die Autorin dem Leser einen tiefen Einblick in das Innere der Protagonistin, auf die Träume, Sehnsüchte und Wünsche, ihre Hoffnungen und Enttäuschungen, auf ihre Kraft und ihre Schwäche und schließlich auf ihre ganz eigenen Begrenzungen und weitere Schicksale ihrer Weggefährten.

Ein Roman, der ohne vordergründige Sensationsgier unterhält, der durch den eigenen Sprachstil der Autorin fesselt und der aufklärt, ohne zu belehren.

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